Hast Du Dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie es ist, nach einer langen Reise nach Hause zu kommen? Ich nicht, bis mich mit voller Wucht, nach meinen 8-monatigen Roadtrip, der umgekehrte Kulturschock in Deutschland erwischt hat. Ich möchte Dir gerne von meinem Kulturschock Erfahrungen in Deutschland erzählen: Wie ist es, nach einem Auslandsaufenthalt nach Hause zu kommen? Natürlich gebe ich Dir auch meine liebsten Tipps für Deine Rückkehr nach einem langen Auslandsjahr mit. Sag Deinem Kulturschock Deutschland den Kampf an!

Kulturschock Erfahrung: Nach langer Reise nach Hause kommen

Auf meinem Roadtrip habe ich nicht groß darüber nachgedacht, wie es sein wird, nach einer langen Zeit im Ausland, in meine Heimat zurückzukehren. Doch plötzlich war der Moment da und außer unbändiger Freude, meine ganze Familie und Freunde wiederzusehen, waren dort auch Gefühle wie Angst, Unsicherheit und Verwunderung. Wie ist es also, nach einer langen Reise nach Hause zu kommen?

Erst mal, unglaublich schön! Ich wurde gerade zu von Glücksgefühlen überwältigt. Endlich wieder Menschen, die Du nicht erst mal kennenlernen musst, es gibt Türen, durch die es nicht zieht, und die Zebrastreifen sind nicht nur Dekoration. Ich habe erst nach einer längeren Zeit im Ausland gemerkt, wie deutsch ich wirklich bin, und es ist ein schönes Gefühl, in eine Umgebung zurückzukommen, in der Du Dich auskennst und in der Du Dir keine Sorgen machst, jemandem auf die Füße zu treten (oder überfahren zu werden) weil Du die kulturelle Etikette noch nicht kennst.

Aber irgendwann kann sich die Freude darüber, dass alles so schön normal ist, wieder in Fernweh verwandeln. Ich habe mich auf dem Roadtrip gefühlt jeden Tag mit Dingen befasst, mit denen ich vorher noch nie in Berührung gekommen bin. Hinter jeder Ecke wartet eine neue Erfahrung, eine neue Information auf Dich. Wenn diese ständigen Entdeckungen plötzlich wegfallen, ist das ein ziemlich komisches Gefühl, welches man oft erst bemerkt, wenn sich der Trubel um die eigene Ankunft wieder gelegt hat.

Ich muss gestehen, dass ich kurz in dieses Loch hineingefallen bin, mich aber zum Glück schnell wieder hinausgearbeitet habe, denn wenn Du glaubst, dass Du Deutschland schon kennst, liegst Du meiner Meinung nach falsch. Hier gibt es so viel zu entdecken und Neues zu lernen!

Ich kann mir momentan nicht vorstellen, wirklich auszuwandern. Klar, mal für ein Jahr in einem anderen Land leben wäre schön, aber ich hänge doch sehr an Deutschland, und denke, dass wir es hier sehr guthaben. Trotzdem ist es krass, wenn Du plötzlich wieder mit deutscher Bürokratie aneinandergerätst, überall Verbotsschilder siehst, und Dich, obwohl Du den größten Teil Deines Lebens in diesem Land verbracht hast, plötzlich sehr eingeschränkt fühlst.

Der Punkt, der mich aber am meisten Kraft gekostet hat, war, dass ich mich auf dem Roadtrip sehr verändert habe, und irgendwo in meinem Hinterkopf davon ausgegangen bin, dass sich die Welt zu Hause mit mir verändert hat.

 

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Umgekehrter Kulturschock in Deutschland: Wenn Du Dich verändert hast, aber die Welt zu Hause stehen geblieben ist

 

Jede Reise verändert mich ein kleines Stück. Ich lerne neue Wege kennen mit dem Leben umzugehen, neue Menschen mit interessanten Ansichten und neue Länder mit vollkommen anderen Kulturen. Auf dem Roadtrip habe ich gemerkt, dass ich mich Stück für Stück weiterentwickelt habe, und ich kann Dir nicht sagen wieso, aber irgendwie habe ich keinen Moment darüber nachgedacht, dass andere Menschen sich nicht verändert haben könnten.

Zu erkennen, dass meine Welt zu Hause zum Teil stehen geblieben war, und sich nicht mit mir mit gedreht hat, war für mich ziemlich hart. Plötzlich kann es sein, dass Du keine gemeinsamen Gesprächsthemen mehr mit Freunden hast oder Du triffst Menschen wieder, die sich für Dich auf den ersten Blick wirklich kein Stück verändert haben während Du Dich in großen Sprüngen gewandelt hast. Das ist ein sehr seltsames Gefühl, und die Welt kam mir damals auf einmal sehr klein vor.

Inzwischen habe ich verstanden, dass sich jeder in seinem eigenen Tempo entwickelt und dass ich nicht von anderen erwarten kann, dass sie sich in der gleichen Geschwindigkeit wie ich bewegen, aber dass nach einer langen Reise zu begreifen und Orte & Menschen gehen zu lassen, war für mich nicht einfach.

 

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Kulturschock nach einem Auslandsaufenthalt: Tipps für Deine Rückkehr nach einem langen Auslandsjahr

 

Du befindest dich gerade auf einer Langzeitreise und bist kurz davor, wieder nach Hause zu kommen? Ich nehme Dich an die Hand und verrate Dir ein paar Dinge und Tipps, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass sie mir jemand sagt.

Schwelge in der Euphorie – mach Dir keine Sorgen, wenn Du zurück in Deine Heimat gehst, sondern schwelge in Deinem Glück und der Euphorie! Die Anfangszeit, war für mich die allerschönste. Koste es in vollen Zügen aus Familie, Freunde und vermisste Orte wiederzusehen.

Wenn das Fernweh kommt – denke nicht, dass es in Deutschland nichts zu entdecken gibt, sondern plane einfach Deinen nächsten kleineren Urlaub. Nur weil jetzt Deine Langzeitreise vorbei ist, heißt das nicht, dass Deine Entdeckerlust in Rente gehen kann. Erkunde Deine Region und fang an sie noch mal mit ganz neuen Augen zu sehen!

Wenn die Regeln Dich nerven – denk an all die tollen Sachen die wir hier in Deutschland dank unserer Regeln haben und erinnere Dich an die Sachen, über die Du im Ausland den Kopf geschüttelt hast.

Meine Lieblingsstory, die ich einfach nicht verstehe: In kleinen spanischen Dörfern habe ich zu Haufe gesehen, dass die Türen nicht dicht sind. Anstatt einen Türfalz einzubauen oder die Tür einfach auf dem Boden enden zu lassen, werden wenn es regnet, Platten vor die Haustür gestellt damit es nicht so zieht oder rein regnet. Als ich das das erste Mal gesehen habe, konnte ich kaum glauben, dass so viele Leute mit einer Tür leben, die nicht dicht ist, wenn es regnet. Das erklärt aber wiederum warum deutsche Handwerker im Ausland so gefragt sind …

Wenn Du Dich verändert hast, aber die Welt zu Hause stehen geblieben ist – ist das Einzige was mir geholfen hat, Akzeptanz. Menschen verändern sich und wir werden uns im Laufe unseres Lebens noch mit vielen Menschen auseinanderleben. Noch ein kleiner Tipp am Rande: Gib nicht so schnell auf, nur wenn die ersten Gespräche seltsam waren. Manchmal braucht es ein wenig Zeit, bis wir uns einem Menschen wieder so nah fühlen wie früher und manchmal verändern sich Freundschaften auch einfach, und es gibt Platz für neue Menschen in Deinem Leben.

Es würde mich brennend interessieren, ob Du schon mal einen umgekehrten Kulturschock in Deutschland erlebt hast, und vor allem was Dich geschockt hat. Waren es ähnliche Themen wie bei mir, oder etwas vollkommen anderes?

Ich würde mich sehr über ein Foto von Deiner letzten Reise oder deiner Heimat auf Instagram freuen! Einfach meinen Community Hashtag #mutigeangsthasen benutzen und Dich von anderen Reisenden inspirieren lassen!

 

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Luise Kenner ist Gründerin & Reisebloggerin von "Falubeli – dem Reiseblog für mutige Angsthasen", der Blog, auf dem du gerade diesen Artikel liest. Sie unterstützt dich dabei deine Traumreise zu verwirklichen, hilft dir diese zu planen, gibt einfache & praktische Tipps zum Reisen und zeigt dir ihre liebsten Reiseziele und Unterkünfte mit Wohlfühlgarantie. Wenn Luise entspannt reisen kann, kannst du es auch!

6 Comments

  • Ein sehr angenehmer “Schock” war die Stille, die Ruhe und die Leere auf den Straßen und in den Städten. Kein Müll (die paar Krümmelchen…) und kein Gestank, niemand hupt, alles so sauber – ich hätte heulen und die Welt umarmen können. Da kam ich gerade aus Kathmandu. Aber auch Negatives: kaum einer lächelt. Da kamen wir aus Namibia… ein schickes Hotel in München, ich dröhne ein fröhliches “Guten Morgen” in den Frühstückssaal, fast jeder hat eine Kiefersperre. Die Menschen schauen so missmutig, als ginge es um ihre nackte Existenz – und dann bist du in Ländern, in denen es tatsächlich so ist, und die Leute lächeln. Muss man nicht verstehen… 😉

    • Hallo Kasia,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Oh Gott ja der Müll … das hatte ich schon vollkommen verdrängt. Da liegt hier in Deutschland wirklich kaum was rum als in anderen Ländern. Das mit der Stille ging mir nicht so, weil ich sehr viel in der Natur unterwegs war, aber das ist ein Punkt den ich absolut verständlich finde. Ich wünsche dir, dass du immer weiter ein fröhliches Guten Morgen in alle möglichen Säle dröhnst, irgendwann sitzt dort jemand der zurücklächelt und dir antwortet, und zusammen könnt ihr alle anderen Menschen anstecken ;D!

      Liebe Grüße
      Luise

  • Sehr interessante Aspekte! Ich hatte bei meiner Rückkehr nach 18 Monaten gar nicht so den Eindruck, dass die Welt “stehen geblieben” ist. Aber ich war sehr anpassungsfähig und flexibel geworden. Wenn ich in China mit einfachen Menschen über Dinge reden kann, die ich kaum verstehe (nicht nur sprachlich), dann geht das auch mit den Leuten in Deutschland. Ich habe mich vor allem am Anfang meiner “neuen” Zeit in Deutschland darum bemüht, alles auch mit den neugierigen und interessierten Blicken des Reisenden zu sehen. Warum z.B. soll U-Bahn Fahren in Peking spannender sein als in Hannover oder Hamburg? Mehr zum Kulturschock kannst Du auf meinem Blog lesen: https://www.bambooblog.de/2019/04/03/199192-epilog-kulturschock/
    Ich hab auf Deinen Artikel verlinkt. Wenn das nicht recht ist, gib mir Bescheid.
    LG
    Ulrike

    • Hallo Ulrike,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Es ist doch immer wieder spannend, wie unterscheidlich man ähnliche Situationen empfindet. Bei der U-Bahn kann ich dir nur Recht geben, es gibt so viele kleine wundervolle Dinge zu sehen, wenn man sie sehen möchte.

      Liebe Grüße
      Luise

  • Hallo Luise,
    es kommt vielleicht auch drauf an, wo man war. Ich war nach 6 Monaten Kanada gar nicht soooo geschockt. Am längsten habe ich gebraucht, mich wieder daran zu gewöhnen, wir unentspannt wir Deutschen sind. Die meisten wirken total gestresst, nehmen wenig Rücksicht und pöbeln einen direkt an. Jetzt, fast 10 Jahre später, bin ich fast wieder genauso. Furchtbar!
    LG Maike

    • Hallo Maike,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Das mit dem unentspannt sein, habe ich jetzt schon von sehr vielen gehört, und ich glaube auch dass es mir ähnlich gegangen ist, ich nach dem Roadtrip aber einfach damit aufgehört habe das zu sehen, weil ich diese Art von Negativität nicht mehr in meinem Leben wollte. Ich bin da gnadenlos und freundliche die Leute so lange fast zu Tode, bis sie mir dann doch mal ein Lächeln schenken 😀

      Liebe Grüße
      Luise

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