Reiseblogger:innen & Corona? Von den letzten Monaten und der Angst wieder loszulegen

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ieben Monate konnte ich als Reisebloggerin nicht arbeiten. Na klar, ich hätte berufliche Reisen in Frankfurter Business Hotels unternehmen können, aber mal ganz ehrlich … während eines Corona-Hochs reisen, nur weil ich es in der Theorie darf? Das konnte ich nicht mit mir vereinbaren. Jetzt geht es endlich wieder los, die Tourismusbranche hohlt tief Luft und alle sitzen in den Startlöchern, wieder das machen zu können, was sie lieben. Eigentlich müsste ich vor Freude hoch- und runterspringen, und das tue ich auch. Zumindest ein Teil von mir, der andere Teil sitzt in der Ecke und sagt „Das wird sowieso alles nichts, du musst dich gar nicht erst bemühen, in einem Monat ist sowieso alles wieder zu“. Als ich mich bei diesem Gedanken erwischt habe, habe ich mich ziemlich erschreckt. Wo kommt das her und vor allem: Wie werde ich es wieder los?

Sieben Monate in der Warteschleife

Der „Lockdown light“ hat mir ziemlich zu schaffen gemacht, was sicherlich viele von euch durch eine sehr markante Sache mitbekommen haben: Es gab keine Artikel. Ich liebe meinen Job, weil ich Menschen Mut mache, ihre eigene Komfortzone zu verlassen, ich liebe die Diskussionen mit euch allen und die Nachrichten, die ich kriege, wenn einer meiner Wohlfühlorte zu eurem Wohlfühlort geworden ist. All das macht meinen Job besonders und einfach ganz wunderbar.

Als der Lockdown nicht mehr aufhörte, brachen abrupt die Blogaufrufe ein, ihr hattet alle keine Lust mehr Reiseartikel zu lesen und ich kann das total gut verstehen. Wenn man selbst nicht die Möglichkeit hat rauszukommen, will man nicht die ganze Zeit vor die Nase gehalten bekommen, wie schön es dort ist, wo man selbst garantiert, nicht hinkann.

Und genauso ging es mir mit meinem Reiseblog. Ich wollte nicht mehr auf die sinkenden Zahlen, Nachrichten und Mails schauen. Ich wollte keine Artikel schreiben, die im Nirwana verschwinden und von niemandem gelesen werden. Deswegen habe ich lieber weggeguckt und andere Dinge in Angriff genommen. Zusammen mit meiner Mutter habe ich ein Kochbuch geschrieben & produziert. Wir schreiben zusätzlich noch einen Foodblog und ich habe mich mehr auf mein zweites Standbein die Social Media Beratung konzentriert. Das tat gut und hat mir sehr durch diese Zeit geholfen, aber ich habe immer wieder gemerkt, dass ganz egal wie sehr ich mich auch motiviert habe, ich keine Artikel für euch schreiben konnte. Es hat einfach nicht funktioniert.

Ich hätte nie gedacht, dass nicht zu arbeiten mich psychisch so mitnimmt. Vielleicht bin ich aber auch nie auf den Gedanken gekommen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es nicht meine eigene Wahl ist. Ich habe jetzt also sieben Monate in der Warteschleife gehangen, und trotzdem traue ich mich nicht, mich zu freuen, dass es jetzt wieder losgeht. Wieso ist das so?

Von der Angst wieder loszulegen

Du bist hier auf dem Reiseblog für mutige Angsthasen, ich beschäftige mich viel mit Ängsten. Mit meinen früheren Reiseängsten, mit euren Reiseängsten und damit, wie man sie wieder loswird. Aber etwas, was ich wirklich noch nie in meinem ganzen Leben hatte, war die Angst mich zu freuen.

Ich weiß nicht, ob du inzwischen schon mal wieder draußen in einem Café einen Kaffee getrunken hast. Ich schon, und es war wunderbar! Aber trotzdem war es so unfassbar ungewohnt und so ein unerwartetes Geschenk, dass ein Teil von mir dachte, freu dich bloß nicht zu sehr, gleich kommt das Ordnungsamt um die Ecke und sagt“ Ach, wie schade, die Inzidenz liegt über 100, igeln sie sich bitte alle wieder in ihren Wohnungen ein und warten sie weitere sieben Monate“.

Bei mir ist die Angst, mich zu freuen, und ein Tag später ist alles wieder weg, ziemlich groß und das überträgt sich auch auf meine Arbeit. Ich möchte nicht wieder alles planen, mit Kunden reden, mich freuen und einen Monat später all die Arbeit in die Tonne drücken müssen. Doch was ist die Alternative? Sich in die Ecke setzen und sagen „Ich mache jetzt lieber gar nichts, denn vielleicht könnte mein Glück kaputt gehen“?

Wie werde ich das wieder los?

Für mich hört sich die Idee mit dem Sitzen in der Ecke nicht besonders attraktiv an, deswegen versuche ich mich jetzt heraus zu buddeln, und ich glaube, dass ich genau jetzt einfach Lust hatte, dieses Erlebnis mit dir zu teilen, ist ein ziemlich guter Anfang. Vermutlich ist es Zeit ich wieder ins Leben zu stürzen, natürlich innerhalb der im Moment geltenden Regeln (Bitte feiert keine Partys mit 50 Leuten, ansonsten bin ich ganz bald wieder arbeitslos).

Wir haben sieben Monate in ständiger Vorsicht vor der Welt und den Menschen in ihr gelebt. Ich glaube, dieses ständige Wegspringen von Leuten in der Fußgängerzone, Bekannten, Freunden und der Familie, macht etwas mit uns. Und es ist Zeit, das jetzt gehen zu lassen. Es ist Zeit, sich wieder zu freuen. Auf ein Stück Kuchen in einem echten Café und auf den gebuchten Sommerurlaub. Die Angst, sich zu freuen und dann doch wieder enttäuscht zu werden, darf sich jetzt vom Acker machen, denn ich habe keine Lust mehr auf sie!

Ich weiß nicht, ob es eine wirkliche Strategie gibt, diese Angst loszuwerden. Oder einen 10 Schritte Plan. Ich glaube, wir müssen uns wieder trauen, die Liebe zum Leben zuzulassen. Und wenn in einem Monat tatsächlich alles wieder zu ist, können wir uns immer noch gegenseitig die Ohren vollheulen. Jetzt ist es Zeit loszulassen und gaaaanz viel Vorfreude in dein Herz zulassen.

 

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Wie ist es dir im Lockdown ergangen, hast du vielleicht ähnliche Ängste? Und natürlich die Frage, die mich am allermeisten interessiert: Wo geht deine nächste Reise hin? Ich hoffe du hüpfst vor Freude schon auf und ab und lässt sie dir von keiner drohenden Lockdown-Wolke vermiesen!

Wo geht es für dich dieses Jahr hin? Ich würde mich sehr über ein Foto von deinem Urlaub auf Instagram freuen! Einfach meinen Community Hashtag #mutigeangsthasen benutzen und dich von anderen Reisenden inspirieren lassen.

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Luise Kenner ist Gründerin & Reisebloggerin von "Falubeli – dem Reiseblog für mutige Angsthasen", der Blog, auf dem du gerade diesen Artikel liest. Sie unterstützt dich dabei deine Traumreise zu verwirklichen, hilft dir diese zu planen, gibt einfache & praktische Tipps zum Reisen und zeigt dir ihre liebsten Reiseziele und Unterkünfte mit Wohlfühlgarantie. Wenn Luise entspannt reisen kann, kannst du es auch!

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